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FIP - Aus Züchtersicht

FIP (Feline infektiöse Peritonitis) - auf diese Diagnose reagieren Züchter und langjährig erfahrene Katzenhalter zunächst einmal völlig betroffen und gelähmt. Wer sich über das Wesen dieser Krankheit informieren möchte, findet im Internet eine große Anzahl Infos (z.B. LABOKLIN GmbH&Co.KG, Bad Kissingen, www.laboklin.de).


FIP kann jeden treffen.

Ein Bericht von S. Matzelle, Katzenzucht Mindara, Rheine (2006):

CJ erkrankte nach der typischen Stresssituation - Umzug ins neue Zuhause - völlig unerwartet und für mich sehr überraschend, da er ein stets quickfideler Vertreter seiner Rasse war und auch zuvor nicht durch Fieber etc. verdächtig auffiel. Es begann mit Inappetenz, dann hohes Fieber, die Blutwerte waren deutlich: sehr hohes Bilirubin, verschobene Eiweißwerte, Titer 1:400 - am 3. Tag war er wieder bei uns zur Absicherung der Ergebnisse. Man kann es zunächst nicht fassen und will es auch kaum glauben. Als er bereits am nächsten Tag anfing sehr schwer zu atmen konnten wir ihn nur noch schweren Herzens einschläfern lassen. Einer der schwersten Momente bisher und es wächst der Zweifel - Warum züchte ich überhaupt, wenn so etwas Schlimmes passieren kann - trotz der vielen Mühe, der Anstrengungen eine optimale Zucht zu schaffen?


Eingehende Beschäftigung mit der heimtückischen Krankheit zeigte - FIP gehört zu den Krankheiten, die mit Angst und Schrecken besetzt sind - einmal diagnostiziert ist klar, dass es keine Heilungschancen gibt - trotz des hohen Standards unserer Medizin. Emotionen auf der einen Seite und Unwissenheit und Tabuisierung auf der anderen Seite führen zum lähmenden erstarrten Gefühl des Kaninchens vor der Schlange. In Bekanntenkreisen kann man unter der Hand erfahren - andere hatten auch schon FIP-Fälle - in einen sachlichen Dialog treten kann man jedoch lediglich in einem kleinen Kreis, denn allzu gerne wird verschwiegen oder es werden gar unreife Kindergarten-Taktiken angewandt - schnell wird von schlechten Bedingungen, zu vielen Katzen, mangelnder Hygiene usw. gemunkelt, um den Ruf des Züchters zu untergraben und sich selbst zu erhöhen. “Bei mir gibt´s so was nicht” - der Gegenbeweis kann förmlich wie der “Blitz aus heiterem Himmel einschlagen” - da wird vertuscht und verschwiegen - letztendlich wären sogar die neuen Besitzer die Schuldigen usw.


Wenn FIP einfach jeden treffen kann (jährlich sterben ca. 100 000 Katzen an FIP - nicht nur in Zuchten - auch in Tierheimen oder einfach bei “normalen” Katzenbesitzern), warum wird dann verdammt nochmal nicht darüber geredet? Züchtern wäre es mit Hilfe eines sachlichen Erfahrungsaustausches doch am ehesten möglich so etwas wie gezielte Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Absolute Sicherheit, so mussten wir erfahren, gibt es auch dann nicht. Kleinigkeiten konnten wir noch verbessern, aber eine weitere Optimierung scheint uns nicht möglich - gerne lassen wir uns belehren:


Quarantäne, Bluttests vor Deckungen, optimierte Haltungsbedingungen waren für uns auch vorher schon ein Muss. Nun trennen wir die Mutterkatze mit ihren Jungen fortan von den anderen Erwachsenen. Mutter und Jungtiere werden in einem luftigen, sonnigen Zimmer mit großem katzensicheren Balkon gehalten, so dass der Infektionsdruck mit dem Coronavirus möglichst minimiert wird. Die Katzentoiletten sind auf Empfehlung durch große Plastik-Zementkübel (Platzbedarf!) ersetzt, die sich prima reinigen lassen und viel mehr Streu aufnehmen können als herkömmliche Katzentoiletten. Sie sind nach oben offen, so dass die Tiere nicht im Staub stehen und können problemlos mehrmals täglich von Katzenexkrementen gereinigt werden: Ganz nach dem Motto - Je weniger Coronaviren, desto weniger können auch mutieren.... Auch ist der Rand für Kitten erst mal zu hoch, so dass sie ihr eigenes und nicht das von der Mama benutzen.


Von einer Trennung der Mutter von ihren Jungen halten wir aus Tierschutzgründen gar nichts. Schon vor dem Tod des Jungtieres hatten wir alle erwachsenen Tiere gegen FIP impfen lassen - eine Impfung der Jungtiere ist leider erst mit der 16. und dann der 20. Woche möglich. Trotz des Kleinen halte ich die Impfung immer noch für wirksam - leider ist keine Impfung 100%ig, aber ein 80%iger Schutz ist besser als gar keiner. Liebhaber, die bereit sind das Tier bis zur 20. Woche bei uns zu belassen, damit wir impfen lassen können, sind uns sehr willkommen.


Wir haben versucht dem Ganzen auf den Grund zu gehen, aber irgendwann stößt man auf seine Grenzen. Seit einigen Jahren weiß man, dass panikartige sogenannte Säuberungsaktionen mit Hilfe der FIP-Titer-Tests, oder das Erreichen einer coronavirenfreien Zucht sinnlose Hirngespinste sind, die keinesfalls die Möglichkeit bieten von der “Seuche” verschont zu bleiben. Die eher harmlosen Coronaviren, aus denen der FIP-Virus mutiert, sind extrem weit verbreitet (ca. 80%) - die Ansteckung erfolgt über Speichel, Kot und Harn. Ihnen aus dem Weg zu gehen ist praktisch unmöglich (Infektionsgefahr 95%). Leider weiß noch niemand warum aus dem harmlosen - kurzfristig Durchfall verursachenden - Coronavirus plötzlich ein Killervirus wird. Der Vergleich zum Krebs drängt sich auf - jeder weiß, dass Rauchen die Gefahr an Krebs zu erkranken erhöht, niemand kann aber prophezeien, wen es letztendlich trifft. Einmal ausgebrochen gilt FIP nur noch als minimal ansteckend (unter 5%).


Es gibt einige empirisch festgestellte Risikofaktoren:FIP tritt überdurchschnittlich häufig auf bei Besitzerwechsel (Stress) - bei Kitten aus Erstwürfen, im ersten Lebensjahr, bei immunologisch vorgeschädigten Katzen (ein Zusammenhang mit dem Inzuchtfaktor wird vermutet- Geparden 50% FIP-Tote beim Nachwuchs), bei Zuchten mit mehr als 20Tieren.


Viele Veterinäre zucken nur noch mit den Schultern, wenn eine FIP erst mal ausgebrochen ist - insgeheim wird von einer Art Selbstreinigungsmechanismus geredet, der Tiere mit in Bezug auf FIP (Immunsystem) geringem Vitalstatus ausselektiert. Wie ein “Blitzschlag” hat es auch uns getroffen und immer wieder betrachtet man seine Tiere mit hilflosem angstvollem Blick auf Anzeichen einer vielleicht ausbrechenden FIP (trotz des Wissens, dass erwachsene Tiere selten betroffen sind und dass nach einem Besitzerwechsel nur knappe 2 Wochen kritisch sind, wegen des Auslösefaktors Stress). Momentan müssen wir uns erst mal erholen von dem Schock, den diese Krankheit ausgelöst hat - ja - wenn man nicht alles getan hätte, wenn - ja wenn... hilflose Gedanken kreisen bei dieser Krankheit und das ist das Tragische, kann man nie sicher sein, dass sie einen nicht doch nochmal trifft. Arrogant (oder dumm?) ist wer glaubt FIP zu entgehen - ich denke, dass das eher mit Glück zu tun hat, um das ich jene beneide!